Category Archives: Land Reform

Henry George: Ökonomischer Wegweiser durch das 21. Jahrhundert

Besteuerung der Nutzung von Land und Natur, anstatt von Arbeit und Kapital (ohnehin gering besteuert)! Am Mittwoch, den 1.11.2017, findet anlässlich des 120. Todestags von Henry George eine Fachtagung von 14.00 bis 18.30 Uhr im ExRotaprint-Gelände in Berlin-Wedding statt.

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Der US-amerikanische Ökonom und Bodenreformer hat zu seinen Lebzeiten die Bodenwertsteuer in den USA und in vielen anderen Ländern populär gemacht. Zum Programm.

Die Teilnahme an der Tagung ist unentgeltlich. Anmeldungen sind noch bis Ende der Woche möglich (Kontakt: s. Programm).

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Prof. Wilhelm Matzat verstorben

Dirk Löhr

Am 21. 10.2016 verstarb Prof. Dr. Wilhelm Matzat im Alter von 86 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit.  Matzat war von 1969 bis 1995 Professor für Geographie an der Universität Bonn, studierte Geographie, Geologie und Geschichte in Erlangen, Göttingen, Frankfurt/M. und Worcester/Massachusetts, USA.

Wilhelm Matzat (2.9.2014, in Bonn - eigenes Foto)
Wilhelm Matzat (2.9.2014, in Bonn – eigenes Foto)

Bekannt wurde er einer breiteren Fachöffentlichkeit v.a. durch die Forschungen über die Bodenordnung seiner Heimatstadt Qingdao (ehemalige Transkription: Tsingtau). Einiges davon ist auf seiner Homepage http://www.tsingtau.org/ noch nachzulesen.

 

In Qingdao errichtete das deutsche Kaiserreich von 1898 bis 1919 eine Kolonie, was aus heutiger Sicht als ein aggressiver und verbrecherischer Akt zu bewerten ist. Allerdings wird bis heute in China die deutsche Besatzung wegen der Hinterlassenschaften v.a. bezüglich Infrastruktur und Architektur wesentlich weniger negativ bewertet als die japanische Okkupation. Auch das Bier aus Qingdao, das auf die deutsche Besatzung zurückgeht und noch heute hergestellt wird, ist in ganz China berühmt.

Die Forschung Matzats drehte sich aber v.a. um die Land- und Steuerordnung von Qingdao. Diese studierte auch Sun Yat-sen (chinesisch: Sun Zhongshan, 孫中山) vor Ort, der sowohl im “kommunistischen” China wie auch in Taiwan als Gründer des modernen China verehrt wird. Sun Yat-sen war von dem Land- und Steuerregime in Qingdao so begeistert, dass er das Regime auf ganz China ausdehnen wollte. Der zuständige deutsche Administrator, Wilhelm Schrameier, wurde sein persönlicher Berater. Leider starben beide zu früh (Sun Yat-sen 1925 bzw. Schrameier 1926), um die Pläne in die Tat umzusetzen.

Einen guten Überblick über  die Geschehnisse bietet das von Nike Breyer /  TAZ in 2007 geführte Interview mit Wilhelm Matzat

“Das war der Boden für Tsingtaus Erfolg” (bitte klicken)

Mit Wilhelm Matzat verlässt der profundeste Kenner der historischen Geschehnisse um Qingdao die Bühne. Verloren geht ein Wissenschaftler, der nicht nur in Deutschland, sondern auch in China hohes Ansehen genoss. Und: Ein liebenswürdiger, hilfsbereiter und wacher Mensch, dem Arroganz gänzlich fremd war.

Es wäre schön, wenn man sich im Rahmen der augenblicklich in Vorbereitung befindlichen Grundsteuerreform an den von Wilhelm Matzat aufgearbeiteten Teil der deutschen Kolonialgeschichte erinnern könnte.

 

Siehe auch: The Qingdao Land Regime – Lessons Learned
(bitte klicken)

Artikel von W. Matzat und T. Warner, Zeitschrift für Sozialökonomie (120. Folge, 1999) (bitte klicken)

 

Großgrundbesitz in Schottland – Monopoly in den Highlands

Eckhard Behrens*

Der FAZ-Artikel “Monopoly in den Highlands” von Marcus Theurer (FAZ.net vom 25.8.2015) macht auf ungesunde Boden-Eigentumsverhältnisse in Schottland und einen falschen Reformansatz aufmerksam.

Eckhard_Behrens
Eckhard Behrens

Die Schilderung der bestehenden Eigentumsverhältnisse und der Art und Weise, wie die Großgrundbesitzer damit umgehen, zeigt Reformbedarf. Aber die geschilderten Reformbestrebungen, landwirtschaftliche Pachtverhältnisse durch Eigentum der Bodenbewirtschafter zu ersetzen, kann man nicht gutheißen.

Die Bodenrente (Landpacht) steht natürlich nicht den Großgrundbesitzern zu, aber auch nicht den Bewirtschaftern. Diese sind in Schottland in der ordnungspolitisch grundsätzlich wünschenswerten Position von Pächtern, die die Bodenrente erwirtschaften müssen, aber nicht behalten dürfen. Das nötigt die Pächter zu einem effizienten unternehmerischen Einsatz von Arbeit und Kapital; sie können Misswirtschaft nicht mit der Bodenrente subventionieren, was wir bei bäuerlichem Bodeneigentum leider oft beobachten müssen. Ob das Landpachtrecht in Schottland dafür sachgerecht ausgestaltet ist, lässt sich auf Grund Ihres Berichtes nicht beurteilen.

Die notwendige Reform bestünde in der entschädigungspflichtigen Enteignung der Großgrundbesitzer, meistbietenden Verpachtung an fähige Landwirte und Umverteilung der Bodenrente an alle Lebenden – zunächst in Schottland und in der Zukunft in der ganzen Welt. Die Erde gehört allen Menschen (John Stuart Mill); ein gleicher Anteil an der Bodenrente sollte als ein Menschenrecht anerkannt werden.

 

* Eckhard Behrens (* 1937, wohnhaft in Heidelberg), Jurist und Volkswirt, ist u.a. Mitglied im Vorstand des Seminars für freiheitliche Ordnung in Bad Boll; er war langjähriger Vorsitzender des Landesfachausschusses für Bildung und Wissenschaft in Baden-Württemberg und stellvertretender Vorsitzender des Bundesfachausschusses in der FDP.

 

Winston Churchill zum Bodenmonopol

Dirk Löhr

„Land monopoly is not the only monopoly, but it is by far the greatest of monopolies – it is a perpetual monopoly, and it is the mother of all other forms of monopolies”.

Winston Churchill (Quelle: Wikipedia)
Winston Churchill (Quelle: Wikipedia)

So im englischsprachigen Original der einschlägig bekannte Kommunist  Winston Churchill in einer Rede, die passend zum letzten Blogbeitrag “England: Der Wahnsinn am Londoner Wohnungsmarkt (Weltspiegel, ARD)” anbei in deutscher Übersetzung zum Download verfügbar ist:

Rede von Winston Churchill (bitte klicken)

Natürlich gab es – u.a. von der englischen Aristrokatie – den zu erwartenden Shitstorm gegen Churchill, der sich damals schon auf dem argumentativen Niveau des später ausgerufenen “Geh doch nach drüben!” bewegte.

Quelle und Übersetzung: Martin Pfannschmidt, Vergessener Faktor Boden, Lütjenburg 1990, S. 104-107.

 

Großbritannien: Klassenkampf in Schottland (ARD)

Dirk Löhr

Wenig beachtet, aber umso skandalöser sind die feudalistischen Zustände mitten in Europa – in Schottland. 432 Privatleuten, darunter vielen Engländern, gehört die Hälfte des Landes.

Scotland

Doch offensichtlich haben die Schotten die Nase von diesem Ausschluss vom eigenen Land langsam voll, wie der Weltspiegel-Bericht (ARD) vom 08.03. zeigt:

Großbritannien: Klassenkampf in Schottland (bitte klicken)

Scotland: Land Reform after the Referendum

Fred Harrison

… spent the last two Wednesdays in Glasgow, helping to organise a new coalition of interests around the concept of rent as public revenue.

Fred Harrison
Fred Harrison

They decided to call themselves the Scottish Land Revenue Group. If land and tax reform is to progress in the UK, it will probably begin in Scotland. Here’s why:

Land Reform after the Referendum (click)