Oxfam-Prognose 2016: Ein Prozent hat mehr als alle anderen

Dirk Löhr

Im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums in Davos wartete die Nichtregierungsorganisation Oxfam (2015) mit einer neuen Studie zur weltweiten Vermögensverteilung auf. Danach besaß vor fünf Jahren ein Prozent der Menschheit 44 Prozent des weltweiten Wohlstands. 2016 wird der Anteil auf über 50 Prozent ansteigen. Das reichste Prozent der Weltbevölkerung wird im kommenden Jahr also mehr als die Hälfte des weltweiten Wohlstands besitzen. In der Gruppe der Reichsten habe jeder Erwachsene ein Vermögen von 2,3 Millionen Euro. Noch drastischer wird die Situation aus einer anderen Perspektive: Die 85 reichsten Menschen der Erde besitzen genauso viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammen – das sind rund 3,5 Milliarden Menschen.

Auch die andere Hälfte des Weltvermögens ist sehr ungleich verteilt. 46 der derzeit “unteren” 52 Prozent liegt laut Oxfam in den Händen von 20 Prozent der Weltbevölkerung. Den verbliebenen Reichtum von etwa 5,5 Prozent würden sich die übrigen 80 Prozent der Menschheit teilen. Auch in Deutschland hat in den letzten Jahren die Ungleichheit in Bezug auf die Einkommens- und Vermögensverteilung weiter zugenommen, Letzteres wurde u.a. durch die steigenden Immobilienpreise und Aktienkurse befeuert.

Oxfam fordert, um eine weitere Zunahme der Ungleichheit zu stoppen, u.a. die Bekämpfung von Steuervermeidung und Steuerflucht, die Besteuerung von Kapital anstatt von Arbeit sowie die Verbesserung der öffentlichen Dienstleistungen.

Letzterem kann man sicherlich zustimmen, allerdings unter dem Vorbehalt einer sozial ausgewogenen Finanzierung. In den heutigen Steuerstaaten lastet diese schwerpunktmäßig auf den mittleren und unteren Schichten der Bevölkerung. Doch auch die höhere Besteuerung von Kapital wird die Steuerflucht weiter anheizen und nicht zum gewünschten Ergebnis führen.

Richtig wäre es, den Reichtum dort zu besteuern, wo er entsteht. Richtig wäre es auch, dies auf eine möglichst unschädliche Weise zu tun. Dies funktioniert am besten über eine Abschöpfung der ökonomischen Renten, vorzugsweise der Bodenrenten. Und an dieser Stelle schweigt die Studie von Oxfam.

 

Mehr Information

o.V./SpiegelOnline (2015): Armutsstudie von Oxfam: Das reichste Prozent besitzt mehr als alle anderen zusammen, in: SpiegelOnline vom 19.1. Online: http://www.spiegel.de/wirtschaft/ungleichheit-superreiche-besitzen-mehr-als-die-anderen-99-prozent-a-1013655.html

o.V. / Die Welt (2015): Hälfte des Reichtums in der Hand von einem Prozentin: Die Welt (online) vom 19.1. Online: http://www.welt.de/wirtschaft/article136519081/Haelfte-des-Reichtums-in-der-Hand-von-einem-Prozent.html

Oxfam (2015): Richest 1% will own more than all the rest by 2016. Online: http://www.oxfam.org/en/pressroom/pressreleases/2015-01-19/richest-1-will-own-more-all-rest-2016

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