Road to Perdition: Verschärfte Regelungen für “Steuersünder”

Dirk Löhr

Ab 2015 wird es schwieriger, bei Steuervergehen mit einer Selbstanzeige straffrei davonzukommen: Ab 25.000 Euro hinterzogenen Steuern wird nunmehr nur gegen Zahlung eines kräftigen Zuschlags von einer Strafverfolgung abgesehen: Bei mehr als 25.000 Euro gilt ein Aufschlag von 10 Prozent. Ab einem Hinterziehungsbetrag von 100.000 Euro werden 15 Prozent fällig, ab einer Million verlangt der Staat 20 Prozent mehr. Zudem müssen reuige Steuersünder zudem für zehn Jahre reinen Tisch machen.

Der Plebs gröhlt, denn endlich geht es Hoeneß, Schwarzer & Co. an den Kragen. Doch leider wird es auch um den eigenen Hals immer enger.

Machen wir uns noch einmal klar, dass der gesamte Staat eigentlich aus den abgeschöpften ökonomischen Renten aus Land und Natur finanziert werden könnte (wir haben dies in diesem Blog an vielen Stellen im Kontext mit dem Henry George-Theorem dargestellt). Ökonomische Renten sind Zahlungsströme bzw. Erträge, denen keine Aufwendungen entgegen stehen. Wenn überhaupt jemand diese Renten kreiert hat, so war dies die Allgemeinheit mit ihren Verzichts- und Inwertsetzungsleistungen (s. D. Löhr (2014): Steuern – Diebstahl an der Allgemeinheit, in: Humane Wirtschaft 6/2013 – bitte klicken). Diese gemeinschaftlich geschaffenen Werte werden heutzutage ohne ein Wimpernzucken privatisiert. Im Gegenzug werden über die Steuern (die als Zwangsabgaben an den Staat ohne einen individuellen Anspruch auf Gegenleistung definiert sind) privat geschaffene Werte sozialisiert. Und dabei trifft es genau die Leute, die da gerade so laut Beifall klatschen – sie sind das Kleinvieh, das den steuerlichen Mist macht. Der “kleine Mann” zahlt nämlich ca. 75 Prozent der Staatsfinanzen. Der Umverteilungsmechanismus, der über die Privatisierung der ökonomischen Renten funktioniert, wird so durch einen zunehmend repressiv agierenden Steuerstaat abgesichert (s. auch unseren Blogbeitrag: “Flucht vor der Dummheit” – bitte klicken).  Wer dies nicht einsieht, wird hierzulande als “Steuersünder” kriminalisiert.

Und ebendieser Steuerstaat wird nicht nur gegenüber Hoeneß und Schwarzer zunehmend repressiv, sondern auch gegen “Ottonormalbürger”. Der Bürger wird für den Steuerstaat immer transparenter und kontrollierbarer – ein Szenario, das sich die Demonstranten gegen die Volkszählung 1987 wohl in ihren schlimmsten Albträumen nicht vorstellen konnten, ist längst unhinterfragte  Wirklichkeit geworden. Sind dies tragfähige Fundamente für einen sich als freiheitlich verstehenden Rechtsstaat? Ich habe da meine Zweifel.

Apropos: Ein gutes neues Jahr 2015.

 

 

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